was wird • Ausstellung

1926 – 2026: Hundert Jahre BOK • Bund Offenbacher Künstler e.V

Die Stadt Offenbach macht uns zu unserem 100-jährigen Jubiläum
mit drei Ausstellungen im Haus der Stadtgeschicht ein ganz besonderes Geschenk:

Nach „was war“ und was ist“
wird  sich  die „open call“ Ausstellung „was wird“ mit der Zukunft beschäftigen.

Mit der dritten Ausstellung stellt sich der BOK der Herausforderung, den Blick in die Zukunft zu richten.
Der Dialog ist das zentrale Thema.
Wie verändert sich künstlerische Arbeit?
Wie wirkt eine veränderte Wahrnehmung in die Gesellschaft hinein?

Ein kollektives Kurator:innen-Team bestehend aus Monika Linhard (Freie Szene Frankfurt am Main), Michaela Schrabeck (Mixer Frankfurt + Atelierhaus Darmstadt), Carolin Liebl + Nikolas Schmid-Pfähler (Atelier Wäscherei Offenbach am Main), Anja Hantelmann + Uta Schneider (BOK Offenbach am Main) hat aus über 80 Einreichungen zum Open Call acht Positionen ausgewählt, die in dieser Ausstellung zu sehen sein werden. Infos zur Ausschreibung

„was wird“ zeigt Arbeiten von: 

Florian Genz
Nozomi Hasegawa
Marina Kampka
Eunjin Kim
Hyeonyoung Lee
malatsion
431art: Haike Rausch + Torsten Grosch
Roman Voigt

Ausstellungseröffnung: „was wird“ : 
Donnerstag. 27. August 2026 • 18 Uhr

Ausstellungsdauer:
28. August – 01. November 2026

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag:  13 – 18 Uhr
Langer Museums-Donnerstag:  14 – 21 Uhr
Samstag, Sonntag + Feiertage:  11 – 18 Uhr

Adresse:
HdS Haus der Stadtgeschichte • Herrnstraße 61 • 63065 Offenbach

 


© Florian Genz

Florian Genz
Hexenflugblätter (aus „Diabolische Künste“), 2026

Maschinell erstellte Bilder und Medien prägen unsere Kommunikation.
Seit der Erfindung des modernen Buchdrucks kennen die Massenmedien nur eine Entwicklung: Beschleunigung. Heute kann sogenannte künstliche Intelligenz Bilder und Texte scheinbar mühelos generieren und sofort global verteilen. Zahllose fiktive Realitäten verwischen die Grenze zwischen Abbild und Vorbild immer weiter.
Wie verändert sich dadurch die reale Realität?

Florian Genz untersucht die Funktion maschinell erzeugter Bilder in moderner Kommunikation. Er nutzt Dokumentarfotografie, Screenshots und generierte Bilder als Ausgangspunkt für handgefertigte Objekte. Diese werden als Künstlerbuch, Collage, Druckgrafik oder Gemälde präsentiert. Übergreifende Themen sind Fiktion, Illusion, Assoziation und Phantasie.

Die Werkreihe „Diabolische Künste“ blickt zurück zum Ursprung der mechanischen Realitätsverdopplung. Druckgrafiken der frühen Neuzeit werden digital verfremdet und an zeitgenössische Diskurse angepasst. Die vorliegende Serie „Hexenflugblätter“ basiert auf Flugblättern der Hexenverfolgung, die nun Maschinen und Digitales zeigen, um den oft von Magie und Mystik geprägten Diskurs um sogenannte künstliche Intelligenz aufzugreifen.

2026 schließt er seinen Master of Arts in „Photographic Studies“ bei Prof. Achim Mohné und Prof. Dr. Pamela Scrozin an der FH Dortmund ab, wo er bereits im BA „Fotografie“ bei Prof. Susanne Brügger und Frederic Lezmi studierte.
Er ist Stipendiat der Kulturstiftung Sparkasse UnnaKamen.
Als Gründungsmitglied des Fotobus e.V. leitete er von 2018—2022 den Publikationsausschuss und veröffentlichte die Fotobücher „further 01-03“ im Verlag Kettler.
Lebt und arbeitet auf der Schwäbischen Alb.
www.fgenz.de

 


© Nozomi Hasegawa

Nozomi Hasegawa
Malerei Stadtlandschaft Serie
und partizipativer 3D Scan-Workshop im Stadtraum während der Ausstellung

Hasegawas künstlerischer Schwerpunkt liegt in der Malerei, die sie durch Druckgrafiken und ortsspezifische Installationen ergänzt.
Sie wurde zu Artist-in-Residence-Programmen in Japan, Schweiz und Deutschland eingeladen.
Ihre Werke werden von verschiedenen Galerien und Kunstinstitutionen vertreten und wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Japan, Irland, der Schweiz, Südkorea und den USA präsentiert. Im Jahr 2026 war sie auf der Art Karlsruhe vertreten.

Diese Gemäldeserie bezieht sich auf Stadtlandschaften. Die Serie beschäftigt sich mit Objekten, die in der Stadt zu finden sind, wie Graffiti, Aufkleber und Werbung, die in der Stadt weit verbreitet sind. Es handelt sich um Dinge, die jemand auf der Straße hinterlassen hat, um eine Art von Botschaft zu vermitteln. Andererseits sind sie für viele andere einfach ein Teil des Stadtbildes. Sie sind ständig als Hintergrund für etwas anderes präsent, für sie nichts Besonderes und werden nicht beachtet. Die Tatsache, dass das, was für den einen von Interesse ist, für den anderen uninteressant ist, und dass sie überall verstreut sind, scheint die Komplexität der heutigen Gesellschaft zu zeigen. Diese Gleichgültigkeit der Mehrheit wird durch fragmentiert und mehrdeutig wahrgenommene Stadtlandschaften in meiner Arbeit simuliert.

Nozomi Hasegawa (*1987, Niigata, Japan) absolvierte in Tokio einen Master in Wirtschaftswissenschaften, bevor sie nach einigen Jahren Berufserfahrung nach Deutschland zog.
An der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) studierte sie Malerei unter der Leitung von Prof. Wolfgang Ellenrieder.
Im Jahr 2023 schloss sie ihr Diplom ab und erhielt 2024 den Titel der Meisterschülerin.
Lebt und arbeite als freischaffende Künstlerin in Braunschweig.
www.nozomihasegawa.com

 


©Marina Kampka

Marina Kampka
Ausländer_innenamt umbenennen

Die Idee, das Offenbacher „Ausländeramt“ umzubenennen, entstand auf vielen Fahrradfahrten zum Kindergarten meiner Kinder.
Bei dem jetzigen Namen weiß man genau, um was es geht: Duldungen, Visa, Papiere, das Zusammenprallen von Welten, Behördendeutsch. Auch klar: Eine Namensänderung verändert keine Gesetze und auch keine chronische Unterbesetzung. Und dennoch: Könnte eine vielfältige Stadt wie Offenbach an dieser Stelle nicht individueller und selbstbewusster sein? Und: „more welcoming“ Vielleicht.

Wie wäre es z.B. mit „bürger_innenbüro international“, „Amt für globale Mobilität“ oder „Amt zum Ankommen (AzA)“?
Schauen Sie sich die Vorschläge zur Umbenennung an. Stimmen Sie ab.
Sprechen Sie mit Ihren Freund_innen und Nachbar_innen darüber.

Marina Kampka, geb. 1983 in Bernkastel-Kues, lebt mit Unterbrechungen nun schon fast genauso lange in Offenbach, wie in ihrem Elternhaus.
Sie arbeitet freischaffend als Künstlerin und Kulturarbeiterin – zum Teil allein, im Duo als studio pari–pari (mit Lena Schrieb, Leipzig) und in Zusammenarbeit mit anderen Kolleg_innen.
Ihre künstlerischen Arbeiten bestehen oft aus Papier (Texte, Bücher, Blätter, Drucke…) oder beschäftigen sich mit dem öffentlichen Raum.
Sie studierte an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, am Camberwell College, London und an der Philipps-Universität Marburg.
www.marinakampka.com

 


© Eunjin Kim 

Eunjin Kim
The Third Skin

»The Third Skin« beginnt mit dem, was der 3D-Druck eigentlich verbergen soll: der Füllung – einer inneren Struktur, die die gedruckte Form zusammenhält, aber so konzipiert ist, dass sie unter der Oberfläche verschwindet.
Eunjin Kim reisst diese Struktur mit Hitze auf, und verbindet sie von Hand durch Nähte wieder miteinander. Das Ergebnis ist kein fertiges Objekt mehr, sondern ein fortwährender Zustand des Werdens – in dem sich mechanische Wiederholung und körperliche Zeit kreuzen und gegenseitig verformen.
Die Arbeit fragt danach, was übrig bleibt, wenn etwas dazu bestimmt ist, zu verschwinden.

Eunjin Kim (geb. in Seoul, Süd-Korea) ist Bildhauerin und Installationskünstlerin mit einen MFA und BFA in Bildhauerei von der Sungshin Women’s University in Seoul.
In ihrrer künstlerischen Praxis untersucht sie das, was normalerweise unsichtbar bleibt – die verborgenen Strukturen in Systemen, Materialien und Körpern.
Sie stellte in Leipzig, New York und Seoul aus, und war Stipendiatin des »Pilotenküche International Art Program« in Leipzig.
Lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin.
https://www.eunjinkim.net

 


© Hyeonyoung Lee 

Hyeonyoung Lee
Zeitentür.
Eine kollektive Sound-Kartografie (1926 – 2026 )

In ihrerer künstlerischen Praxis untersucht Hyeonyoung Lee die unsichtbare Evolution von Zeit und Ort.
Dazu transformiere sie ephemere Archivmaterialien wie abgelaufene Ausstellungsflyer in skulpturale Objekte, die als physische Gedächtnisspeicher fungieren. Mithilfe kinetischer Installationen macht soe verborgene Prozesse im Raum hörbar und sichtbar. Dabei wird die Interaktion der Besucher zur kollektiven Spur, die als Brücke zwischen Vergangenheit und visionärer Zukunft dient.

Die kinetische Installation „Zeitentür” beispielsweise transformiert 100 Jahre Archivmaterial des BOK e. V. in ein partizipatives Erlebnis.
Ein rotierendes Tür-Objekt, das aus unzähligen handgerollten Ausstellungsflyern gefertigt wurde, imitiert den Eingang der BOK-Galerie. Durch die Interaktion der Besucher wird die Tür zum Zeicheninstrument: Ein befestigtes Element überträgt jede Bewegung als malerische Geste und akustische Spur auf den Boden. So entsteht eine kollektive Sound-Kartografie zwischen Gestern und Morgen.

Ihre interdisziplinäre Praxis untersucht die Bedingungen, unter denen Malerei funktioniert und lotet ihre Erweiterbarkeit in den Bereich der sensorischen Transformation aus. Dabei erforscht sie kontinuierlich das Konzept der „hörbaren Malerei“. Durch Methoden wie „Soundmalerei“ und „geschredderte Malerei“ transformiert sie visuelle Elemente — Linien, Texturen und Materie — in akustische und skulpturale Formate.

Hyeonyoung Lee, geb. 1985 in Süd-Korea. Lebt und arbeitet in Deutschland.
2024 Diplom bei Prof. Gunter Reski, an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach.
https://www.hyeonyounglee.com

 


© malatsion

malatsion

New Skin For A Landscape

Das laufende Langzeitprojekt „New Skin For A Landscape“ schafft Visionen für künftige, resiliente Landschaften und ist eine Einladung zum gemeinsamen Handeln für die Anpassung an den Klimawandel.
Es beruht auf interdisziplinären Kollaborationen und auf Teilnahme des Publikums. Zentrales Element des Projektes ist eine Installation, deren Entstehung als offengelegter und teilweise partizipativer Prozess stattfindet. Sie wird die Form eines großen imaginären Landschaftsmodell annehmen, in der das Wasser seinen Platz wieder einnimmt: eine dünne, schwebende Schicht, die die Biosphäre als treibende Kraft des Wasserkreislaufs auf den Kontinenten symbolisiert. Diese Haut – eine zentrale Schnittstelle innerhalb der Hydrosphäre – wird aus Rohwolle hergestellt. Das organische Material symbolisiert den Schwamm, die Symbiose mit dem Wasser.

Inspiriert von wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnissen findet ihre Arbeit ihren Ausdruck in Installationen, Skulpturen und Zeichnungen. Das ökologische Engagement führte sie ab 2016 dazu, Performances und partizipative Aktionen zu entwickeln. Im Mittelpunkt ihrer Praxis stehen die gegenwärtigen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur, aktuell was die Wasserkreisläufe innerhalb der Klimadynamik angeht.

malatsion (geboren 1974 in Frankreich) arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Ökologie.
Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Archäozoologie an der Universität von Poitiers (Diplom, 1998) studierte sie bildende Kunst an der Marc Bloch Universität in Straßburg (Diplom, 2003).
Seit 2004 lebt sie in Frankfurt am Main. Ihre Werke und Projekte wurden in zahlreichen Ausstellungen und Festivals in Deutschland und international gezeigt.
www.malatsion.de

 


© 431art

Haike Rausch und Torsten Grosch – 431art
Landscape of Empathy

Die Installation „Landscape of Empathy“ ist im Kontext des Langzeitprojektes botanoadopt® mit der Pflanzenklappe® angesiedelt und thematisiert Kommunikation über (Wurzel-) Netzwerke, Interaktion und Fürsorge zwischen verschiedene Spezies.
Die partizipative Installation verbindet Pflanzen über ein grafisches Netzwerk miteinander. Über minimalistische Handlungsanweisungen kann man mit den Gewächsen in Kontakt treten und interagieren sowie die eigene Empathiefähigkeit den grünen Mitgeschöpfen gegenüber entdecken und entfalten.
Die Arbeit war erstmalig 2019 im Kunstverein Ahlen zu sehen sowie in der Ausstellung „In Zukunft“ der Stiftung FUTURZWEI in Hamburg zu sehen und 2022 im Museum Sinclair Haus Bad Homburg v.d. Höhe. Als Installation im öffentlichen Raum wurde sie u.a. in Zusammenhang der Einzel-Ausstellung „Plants and Aliens“ im Kunstmuseum temporär in Mülheim a.d. Ruhr 2021 gezeigt.

Haike Rausch und Torsten Grosch arbeiten seit rund 25 Jahren gemeinsam als Künstlerduo 431art.
Ihre interdisziplinären konzeptuellen Arbeiten sind angesiedelt an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft und gekennzeichnet durch ein mediales Cross-Over. Ihre oft ortsbezogenen Arbeiten nehmen z.B. in interdisziplinären Projekten, interaktiven Installationen, Performances oder auch in Audiowalks Form an. Sie erkunden den Raum, ebenso in einer historischen Dimension, wie sie gesellschaftsutopische Lösungen anbieten. Typisch ist ein mediales Cross-Over sowie ein oft partizipativer Charakter.
Mit ihrer künstlerischen Utopie botanoadopt® und der Pflanzenklappe® engagieren sich beide für die Gleichberechtigung von Pflanzen als Grundlage für einen gesellschaftlichen sowie globalen ökologischen Wandel. botanoadopt® wurde 2017 vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung für die Arbeit an den globalen Nachhaltigkeitszielen ausgezeichnet.

431art erhielt zahlreiche Stipendien.
Ihre Arbeiten sind in internationalen Ausstellungen und Sammlungen sowie auf internationalen Konferenzen vertreten.
Grosch und Rausch leben und arbeiten in Frankfurt am Main und sind Mitglieder im Deutschen Künstlerbund.
https://431art.org
https://botanoadopt.org

 


© Roman Voigt 

Roman Voigt
„David“

Können wir uns kennen lernen, wenn wir nur gemeinsam arbeiten, dabei nichts privates von einander erfahren?
David* und ich kennen uns kaum. Wir wissen nur über einen gemeinsamen Freund, dass es die andere Person gibt. Wir haben uns dazu entschieden in einer künstlerischen Arbeit zu kooperieren. Wir haben uns Regeln gegeben, die unseren Kontakt auf das minimalste beschränkt, sich auf die gemeinsame Arbeit konzentriert. Was entsteht, wenn man nichts voneinander weiß? Wer ist die andere Person – wie lebt, denkt, arbeitet und träumt der andere… Doch am wichtigsten: was entsteht, was wird?

Seine interdisziplinären Arbeiten zeichnen sich durch eine Neugier auf einzelne, fragmentarische Elemente aus, durch die er versucht, ein Verständnis für deren Ganzes, ihrer Bedeutung, zu erlangen.
In seiner künstlerischen Praxis umgibt Roman sich mit den Leerstellen, die zwischen den einzelnen, zeitlich- und räumlich versetzen Kunstwerken bleiben. Diese Leerstellen werden mit jeder weiteren Reflexion über das Ganze neu verortet und sind das zentrale Motiv für die Auseinandersetzung mit Raum und Körper in ihrem Verhältnis zur Zeit.

Roman Voigt (geb. 1998 in Frankfurt am Main) studiert in Offenbach und Reykjavík.

*David Frommhold ist ein in Deutschland ansässiger Künstler. Er schloss sein Studium der Freien Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar im Juni 2026 mit einem Diplom ab. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Skulptur, Verlagstätigkeit und Installation und untersucht das Zusammenspiel von Bildern, Objekten und Raum. In seinen Installationen werden diese Elemente miteinander in Beziehung gesetzt; es entstehen offene Anordnungen, die unterschiedliche Lesarten zulassen.
Noah Seeland ist ein norwegischer Künstler, der in Reykjavík lebt und im Masterstudiengang in Bildender Kunst an der Isländischen Kunsthochschule studiert. Seine Arbeiten umfassen Malerei, Installationen und Video. Ein wiederkehrendes Thema in seinem Werk sind Kommunikation und Verbindung, er ist bei diesem Projekt allein für die Kommunikation zwischen David und Roman verantwortlich.